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"Technisch ist die Energiewende gelöst"

Veranstalter und Referent: Christian Kutschker, Prof. Dr. Michael Sterner und Jürgen Hitz (v.l.) Foto: Fotolia

Die Energiewende ist sinnvoll, sie rechnet sich wirtschaftlich und alle technischen Voraussetzungen sind vorhanden. Dieses Fazit zog Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner von der Forschungsstelle Energienetze und Energiespeicher der OTH Regensburg, im 8. Kundenforum der STADTWERKE KELHEIM GmbH & Co KG und der Abens-Donau Energie GmbH in Abensberg.

"Welche Zukunft wollen wir unseren Kindern hinterlassen?" - unter diese Frage stellte Christian Kutschker, Geschäftsführer von beiden veranstaltenden Unternehmen, seine einführenden Worte. Die vor viereinhalb Jahren beschlossene Energiewende habe sich auf den Bereich der Stromerzeugung konzentriert und dabei die drei ebenso wichtigen Säulen Speicher, Netze und Effizienzsteigerung vernachlässigt, kritisierte der SWK-Chef. "Es müssen noch viele Aufgaben erfüllt werden, bevor 2022 das letzte Atomkraftwerk stillgelegt wird."

Mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit ist der Klimawandel menschengemacht
Prof. Dr. Michael Sterner führte in seinem Vortrag aus, "wo wir stehen und wo wir hin könnten, wenn wir politisch wollten", wie er es formulierte. Zunächst betonte er die Alternativlosigkeit der Energiewende. Mit über 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit sei der Klimawandel menschengemacht. Gelinge es nicht, die CO2 Emissionen signifkant zu reduzieren, drohten globale Wetterextreme, die Lebensräume zerstörten und neue Völkerwanderungen auslösten. "Wir haben zwei Generationen lang aus dem vollen geschöpft." Technisch sei die Energiewende gelöst, betonte Sterner. Speicher, Netze, Wärme und Mobilität - in allen Bereichen gebe es viele gute Konzepte, die sich auch rechneten. "Wenn wir die 100 Millionen Euro, die pro Jahr für den Import von Öl, Gas und Kohle verbrannt werden, in Techniken rund um die erneuerbaren Energien investieren würden, dann hätten wir ein echtes Geschäftsmodell." 

Um den Wegfall der Atomenergie zu kompensieren, gebe es drei Wege: Die dezentrale Erzeugung vor Ort, den Bau von Stromtrassen und die Speicherung von Energie. Der Fokus müsse auf der dezentralen Stromerzeugung liegen, betonte Sterner. In Bayern liege ein riesiges Potenzial an erneuerbaren Energien brach und werde nach den Vorgaben der 10H-Abstandsregel auch weiterhin ungenutzt bleiben. "Die Kommunen haben Energienutzungspläne aufgelegt, Photovoltaik und Windkraft geplant - dann kam 10H und die Pläne verschwanden in der Schublade."

Der Schlüssel liegt in der dezentralen Stromerzeugung
Wind und Sonne seien die günstigsten Stromquellen, so Sterner. Werden sie zudem lokal hergestellt und verbraucht, müssten sie nicht transportiert werden. Allerdings schafften Wind und Sonne die Energiewende nicht alleine. Zum Ausgleich von Überschüssen und Defiziten seien flexible Kraftwerke, flexible Verbraucher, Stromnetze und Speicher notwendig. "Auch das Speicherproblem ist technisch gelöst." Batteriekraftwerke in Verbindung mit Wind und Sonne seien in der Lage Kraftwerke zu ersetzen. Pumpspeicher könnten als efffiziente Kurzzeitspeicher eingesetzt werden. Hausspeichersysteme, wie sie auch die STADTWERKE KELHEIM anbiete, werden sich nach Ansicht des Experten schon bald auf breiter Fläche durchsetzen. "Wir brauchen aber noch eine Lösung für längeres Speichern", sagte Sterner und stellte das Verfahren Power-to-Gas vor. Es basiere auf der technischen Nachbildung der pflanzlichen Photosynthese. Strom könne auf diese Weise in das in Deutschland bestens ausgebaute Erdgasnetz eingespeist werden. Erste Modellanlagen seien deutschlandweit im Einsatz. Technisch könne das Verfahren bereits Stromtrassen ersetzen, allerdings noch nicht wirtschaftlich. Das Herzstück der Anlage, der Elektrolyseur, werde noch nicht in Serie produziert und sei deshalb entsprechend teuer.

Am Ende seiner Ausführungen nahm Prof. Sterner nochmal die Politik in die Pflicht. "Aus energiewirtschaftlicher Sicht ist hier keine schlüssige Logik zu erkennen. Wir laufen Gefahr, nicht nur Nachteile für den Wirtschaftsstandort in Kauf zu nehmen, sondern verspielen womöglich die Zukunft kommender Generationen." Aber auch der einzelne Bürger trage für das Gelingen der Energiewende Verantwortung. "Es geht nicht ohne Bewusstseinswende bei uns Verbrauchern." Denn das Ende des fossilen Zeitalters bedeute auch, dass die Energieversorgung wieder sichtbar werde und an die Oberfläche zurückkehre. Mit dem selbstkomponierten Klavierstück "Morgendämmerung" entließ der Hobby-Musiker und -Komponist das Auditiorium in das abendliche "get together".